An der Spitze der Gesellschaft

1853 ist nicht nur die Geburtsstunde des ersten Aufzugssystems mit sicherer Fangvorrichtung, mit Elisha Graves Otis‘ bahnbrechender Erfindung wurde auch das Penthouse geboren. Die mondäne Beletage, die ursprünglich über wenige Treppenstufen in den ersten Stockwerken zu erreichen war, verlagerte sich nun mühelos ins oberste Stockwerk.

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FOTO: Robert Nickson

Mitte 1900 kehrte sich die Standespyramide der Wohneigentümer und Mieter von unten nach oben. Die teils siebenstöckigen Paläste der Bürger, die zum Beispiel Georges-Eugène Haussmann noch für seine Stadtneuplanung von Paris entwarf, sahen die wertvollsten Wohnungen noch in den ersten zwei Stockwerken vor. Wer etwas darstellte, stieg natürlich keine Treppe zu viel. Genauso verhielt es sich in Berlin, London und den anderen Metropolen seinerzeit. Ganz oben, da wurden die Diener, Zimmermädchen und Chauffeure untergebracht wie Tauben. Mit Otis’ Erfindung kehrte sich diese Wohngesellschaft auf den Kopf. Menschen, die oben angekommen sind, wollen seither auch oben wohnen. So wurde das Penthouse zur Beletage. Und es gab damals wie heute praktisch keine Argumente dagegen: Früher – zu Zeiten der Beheizung mit Kohle – noch mehr als heute war das erste Argument für ein Penthouse die gesündere Luft. Und der geringe Straßenlärm, der die Bewohner kaum mehr erreicht, da der Schalltrichter sich gemessen an einer zweispurigen Fahrbahn ab dem vierten Stockwerk nicht weiter in die Höhe ausbreiten kann.

Heute zählt das Penthouse aus noch viel mehr Gründen zum begehrtesten Anlageobjekt im Immobiliensektor. Penthouses sind rar! Sie sind Gelegenheiten, die in der Regel nicht wiederkommen, denn ein Haus kann viele Wohnungen haben, in denen die Eigentümerschaft häufiger wechselt, aber nur ein Rooftop – und das bleibt gewissermaßen in der Familie. Dort hinauf möchte jeder. Hier residiert, wer Prestige genießt, so prominent ist, dass er hier seine Ruhe vor dem Boulevard hat, oder wer schlicht tolle Partys geben kann – ganz gleich, ob es sich um Manhattan oder Hongkong handelt.
Hier oben werden die schwindelerregendsten Quadratmeterpreise erzielt; mit Wertsteigerungen binnen weniger Jahre um satte 50 Prozent. Man muss nicht ganz bis Hamburg unters Dach der Elbphilharmonie schauen, wo es 38.600 Euro für den Quadratmeter im Penthouse gewesen sein sollen und es kein Jahr nach der Eröffnung 2016 brauchte, bis diese Toplagen vergriffen waren. Die ›Fasswohnungen‹ auf der Spitze des Neuen Henninger-Turms in Frankfurt-Sachsenhausen sind schon naheliegender. Zwischen 14.000 und 17.000 Euro sollen hier für den Quadratmeter aufgerufen worden sein.

Die Vorteile der Penthouses liegen international auf der Hand: Sie sind sicher. Es gibt auch keine Nachbarn. Und das überwältigende Panorama ist in der Regel nicht zu verbauen. Das liegt an einer städteplanerischen Faustregel, die sich in New York durchsetzte, wo die ersten wirklichen Hochhäuser drohten, sich gegenseitig das Licht und den Blick zu nehmen. Nur etwa ein Drittel der eigentlichen Fläche darf in die luftigste Höhe emporwachsen, nur der Gebäudesockel bis zur Höhe, die der Breite der angrenzenden Straße entspricht, darf das zu bebauende Grundstück vollständig in der Fläche einnehmen. So entstanden die pittoresk gestuften Skyscraper Manhattans und nach diesem Vorbild wird noch heute in Metropolen vermieden, dass eine Skyline in boden- und lichtlosen Häuserschluchten verschwindet.

Was heute neben der Rarität eines Penthouses noch für das Anlageobjekt unter den Privatimmobilien schlechthin spricht, ist die größtmögliche Gestaltungsfreiheit in puncto Schnitt und Interior- Design der Wohnungen. Meist mit großzügigen Terrassen, oft mit genialen Poollösungen unter freiem Himmel – aber ohne Zaungäste. Die meisten Penthouses werden heutzutage als ›Duplex‹ angeboten, was die ideale Aufteilung in ein privates Stockwerk mit der eigentlichen Wohnung und die repräsentativen Räume darüber im eigentlichen Rooftop erlaubt. Unser Fazit: Penthouses sind echte Gelegenheiten, die ergriffen werden müssen!