Jakobs PropTech-Corner

Jakob Schulz ist selbstständiger Berater für ›PropTech‹ und brennt für Fragen der Digitalisierung, neue Technologien und Geschäftsstrategien in unserer Branche. PropTech steht verkürzt für Property Technology, doch nicht nur die Namensähnlichkeit ist frappierend, auch die Ziele und Themen ähneln sich sympathisch. Wie wir in unserem Magazin will Jakob alle für die Immobilienwirtschaft relevanten Technologien zusammen begreifen. Nach seinen Gastbeiträgen im Immobilienmanager Magazin erteilen wir ihm nun allzu gern in THE PROPERTY das Wort!

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  • Digitales & Innovationen
  • Geschäftsstrategien
Foto: Betti Klee

Grüne Rendite farmen: www.voltaro.de

Unter Strom stehen die Dächer der Kunden der ›Voltaro Energy GmbH‹ aus München. Das erst kürzlich gestartete Geschäftsmodell des Unternehmens aus dem Portfolio von Alexander Samwer setzt Immobilien-Eigentümern Photovoltaik aufs Dach und bietet verschiedene Betriebsmodelle. In Zeiten, in denen die Branche verstärkt über ESG-Kriterien nachdenken muss, ein möglicher Baustein für ›grüne‹ Portfolios, der zugleich Rendite verspricht. Die Gründer Alessandro Mauro und Jannik Bounin drücken aktuell wahrscheinlich auch die Daumen für die viel diskutierte Pflicht zu Solar-Bedachungen. Ob dies regulatorisch der richtige Weg ist, sei an dieser Stelle mal dahingestellt.

Prozess-Champions: www.docestate.com

Prozess-Champions für mich sind die ›Botschafter‹ des Unternehmens DocEstate aus Aschaffenburg. ›DocEstate GmbH‹ digitalisiert Behördengänge rund um Immobilien. Wer kennt es nicht, egal ob als Makler, Eigentümer oder Verwalter: In Deutschland offizielle Auskünfte und Dokumente zu erhalten, ist aufwendig, kompliziert und in jedem Bundesland, Kreis oder jeder Kommune wieder anders. DocEstate bietet einen deutschlandweiten Service für solche Anfragen, digital per Website oder Software. Und bei den Behörden, die noch nicht so weit sind (absolute Ausnahme!), kümmern sich DocEstate-Botschafter um die notwendige ›Handarbeit‹ vor Ort.

Unterschätzt: www.visoplan.de

Erheblich unterschätzt wird in großen Teilen der Wirtschaft so-wie der Politik, wie viel Zeit und Geld allein schlechte Kommunikation und Dokumentation in Bauprojekten kostet. Das Berliner Unternehmen ›Visoplan GmbH‹ nahm sich dieser Herausforderung an und bietet heute Fachplanern, aber besonders Bauherren einen zentralen Ort für alle digitalen Plan-Daten inkl. Änderungen sowie sämtliche Kommunikation zum Projekt. Das sorgt für deutlich weniger ›Medienbrüche‹ zwischen den Spezialsystemen aller Beteiligten und insgesamt für eine bündigere Kommunikation untereinander. Nicht zuletzt hat der Bauherr so am Ende des Projekts einen zentralen Ort für alle Plan- und Ist-Unterlagen, der nicht aus einer Wand von Akten-Ordnern besteht. Ob die Visoplan-Software den ›BER‹ oder ›Stuttgart21‹ gerettet hätte, wer weiß? Aber ihr Servicegedanke ist auch ein indirektes Learning daraus.

Unterbewertet: www.comgy.io

Trotz einer Finanzierungsrunde über 25 Millionen Euro ist der Berliner Anbieter für digitale Messdienstlösungen ›Comgy GmbH‹ wohl zu niedrig bewertet. Schließlich wurde der Marktführer techem vor drei Jahren für gut 4,6 Milliarden Euro verkauft. Die auffällig hohe Bewertung von techem zeigt, welch wirtschaftliches Potenzial im Markt der Dienstleister für Messung, Visualisierung und Abrechnung von Wärme-, Wasser- und Stromverbräuchen in Immobilien eigentlich steckt. Genauso hoch sind aber auch die Eintrittsbarrieren. Anders sind die Margen nicht zu erklären, die bis heute im klassischen Ablese-Geschäft erwirtschaftet werden, denn der Mehrwert oder die Servicequalität der Leistungen können oft nicht als Argumente herhalten. Als Eigentümer und Mieter kann man also nur hoffen, dass der Druck von Disruptoren zeitnah für Energieabrechnungen sorgen wird, die das Datum 2022 verdient haben. Und dass wir dann auch die Handwerker finden, die die notwendige Hardware in unsere Gebäude bringen.