Braucht man Kunst als Asset?

Der Galerist Christian Rother macht mit seiner Plattform smart-collectors Originalkunst als Miet- und Investitionsobjekte für ein breites Publikum zugänglich. THE PROPERTY hat mit ihm über Kunst als Anlageobjekt gesprochen.

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FOTO: Galerie Rother

THE PROPERTY Du hast mit smart-collectors eine erfolgreiche Plattform für den Kunstmarkt aufgebaut. Man kann Kunstwerke kaufen und mieten. Wie siehst du Kunst als Investment an?
CHRISTIAN ROTHER Im Kern ist Kunst eine der besten alternativen Anlageformen, wenn nicht sogar die idealste. Natürlich neben Edelmetallen oder ähnlichen Wertspeichern. Kunst ist die ästhetische alternative Anlageklasse schlechthin, da die Instandhaltungskosten sehr überschaubar sind, die Abnutzungserscheinungen gering sind und die Mobilität gewährleistet ist. Wie bei allem anderen ist ein ›blindes‹ Anlegen ungünstig. Selbstverständlich muss man sich auch diese Anlageklasse genau betrachten und entsprechendes Wissen aufbauen, um souverän investieren zu können. Um dies zu vereinfachen, haben wir 2017 smart-collectors gegründet.

THE PROPERTY Warum sollte ich nicht in eine Galerie gehen und fertig?
CHRISTIAN ROTHER Auf jeden Fall solltest du in eine Galerie gehen. Das ist weniger die akute Frage. Die Distanz zu dem sogenannten ›White Cube‹ ist allerdings die Hürde für den Kunden, Sammler, Einsteiger. Besonders die jüngeren Generationen googeln mittlerweile erst einmal, bevor sie zum Arzt gehen. Das mag Vor- und Nachteile mitbringen. Fest steht allerdings, dass Wissen bzw. erste Informationen heute wenige Klicks entfernt sind und wir Informationen ›at our fingertips‹ haben und dort auch einfordern. Unsere Plattform ist eine Ergänzung, ein Teil im großen Ganzen des Erlebnisraums Kunst für den Betrachter. Wir bauen die Brücke vom Sofa zum White Cube und zurück zum Sofa. Als Digitalpartner sind wir die Lösung für den sogenannten Primärmarkt im Kunstbetrieb.

THE PROPERTY Uns lesen viele Immobilieninvestoren. Ihr habt sehr viele Kunden, die sich über euch die Bürogebäude ausstatten und auch bei hochwertigen Mehrfamilienhäusern die Bilder hinhängen. Lohnt sich das?
CHRISTIAN ROTHER Danke für die Steilvorlage! Selbstverständlich lohnt sich das, denn der Kenner wird mit dem folgen-den Satz deutlich die Vorteile erkennen. Bei smart-collectors erhält jeder Mietkunde ein Vorkaufsrecht, das er selbst oder ein von ihm ernannter Dritter nach Ablauf des Mietvertrags geltend machen kann. Allein dies ist besonders für Immobilieninvestoren schon ein attraktives Konstrukt. Es geht allerdings NOCH BESSER!Dieses Vorkaufsrecht ist gebunden an den per Mietvertragsabschluss exklusiv fest-gelegten aktuellen Verkaufspreis und der gezahlte Mietzins wird zu 100 % bei Aktivierung des Vorkaufsrechts von diesem Verkaufspreis in Abzug gebracht.

THE PROPERTY Wie viele Family Of-fices habt ihr, die mit euren Künstlern Investments tätigen?
CHRISTIAN ROTHER Danke für deine Frage. Das ist das Schöne an der Welt des Kunstbetriebs. Hier ist die Welt der Vertraulichkeit in Ordnung. Entsprechend darf ich allgemein sagen, dass wir sehr gerne mit Family Offices zusammenarbeiten.

THE PROPERTY Du kommst selbst aus einer Galeristenfamilie, Kunst war schon in deiner Kindheit immer in der Umgebung. Wenn du wetten würdest: Welche Künstler sind die Underdogs und werden in Zukunft wertvoll?
CHRISTIAN ROTHER Nun, auch wir im Kunstbetrieb mögen eventuell Glasku-eln, nur aus dem Blick in solche Wetten abzuschließen ist ungünstig. Wir haben einige Generationen Erfahrung, vom erfolgreichen Kunstschaffenden über den renommierten Sammler bis hin zu den Erfahrungen im Kunstbetrieb durch die Galerie meiner Mutter. Peter Herkenrath, mein Urgroßonkel, war erfolgreicher Maler der Klassischen Moderne, mein Großvater renommierter Sammler. Und nun betreiben wir seit bald drei Dekaden eine Galerie, die jetzt mit ihrem Digitalpartner smart-collectors ideal für die Zukunft aufgestellt ist. Underdogs werden von Menschen gesehen, die tief in dem Kontext drinstecken und selbst ›Skin in the Game‹ haben.

THE PROPERTY Wenn man eine Sammlung aufbauen will: Was ist der richtige Weg?
CHRISTIAN ROTHER Der richtige Weg ist als Erstes einmal der Start: sich aktiv mit der Materie auseinandersetzen, die Zurückhaltung aufgeben und einfach mal machen. Genau dafür haben wir smart-collectors gegründet, denn nur im Prozess kann sich etwas entwickeln, und das gilt auch für eine Kunstsammlung. Es ist vollkommen legitim, dann hier und da auch mal wieder Positionen zu liquidieren, um in der Entwicklung die Sammlung zu positionieren und ihr Feinschliff zu geben. Nur bei uns ist es so leicht, die Entwicklung einer Kunstsammlung im Flow und dynamisch zu betreiben. Aktuell ist es noch eine kurze E-Mail, die dazu nötig ist. In Kürze wird es mit einem Klick getan sein, den Flow zu bewahren.


THE PROPERTY Was sind eure Wachstumspläne?
CHRISTIAN ROTHER ›The sky is the limit‹ – so fühlt es sich zumindest in unserer aktuellen Phase an. Wir haben im Januar unsere dritte Marke ›IncubARTor‹ mit einem weiteren Standort in Wiesbaden an den Start gebracht. Die Nachwuchskünstlerbrutstätte ist die Zwischenstufe für Top-Performer unserer internationalen Online-Kunst-Plattform smart-collectors und unserer etablierten Galerie mit ihren Wurzeln in Wiesbaden und ihrer Präsenz auf dem internationalen High-Level-Kunstmarkt. Mit dieser Marke schaffen wir einen Raum der fokussierten Entwicklungsförderung offline wie auch online.

THE PROPERTY Wie können Family Offices und Bestandshalter Kunst nutzen, um Gebäude und Flächen neu zu positionieren?
CHRISTIAN ROTHER Das ist auch wieder eine Steilvorlage, vielen Dank dafür. Nun, die Antwort ist relativ simpel und ›straight forward‹. Kunst im Allgemeinen schafft Atmosphäre und ist ein essenzieller Bestandteil der Raumgestaltung. Ein Poster tut es in der Theorie auch, nur stellen wir fest, dass oft die Wand und der freie Raum in Vergessenheit gerät bzw. genau da das Budget knapp wird. Wer also seinen Raum im Ikea-Stil positionieren möchte, nimmt selbstverständlich auch dort schnell noch ein Poster von Klimts Kuss mit. Aber wer zum Beispiel seine Flächen mit Knoll, USM Haller, Vitra und Co. positionieren möchte, der sollte tunlichst bei uns vorbeischauen. Denn da wird sehr schnell sehr offenkundig, dass die Raumgestaltung an der Wand oberflächlich war bzw. sogar dilettantisch abgebrochen wurde.
Und ganz abgesehen von dem banalsten ersten Schritt der Raumgestaltung ist Kunst der ›icebreaker‹ überhaupt und schafft eine Aura, die zur Kreativität anstiftet und Vorstellungskraft fördert. Deswegen gilt für uns wirklich ›the sky ist the limit‹, da die Gesellschaft noch viel Potenzial hat, sich der Kunst etwas mehr zu widmen.

THE PROPERTY Reinhold Würth sagte mal, dass die Kunst in seinen Büros die Mitarbeiter besser werden lässt und neue Ideen hervorbringt. Ist dies Theorie oder beobachtest du das auch?
CHRISTIAN ROTHER Absolut! Das ist das im Allgemeinen unentdeckte Potenzial der Kunst. In wie vielen Büros hängen Teamfotos? Das ist ohne Frage gut für die Kaffeeküche, um Teamspirit zu fördern, beim Kaffeeplausch das Team an die Bonding-Momente zu erinnern und die ›Ach weißte noch damals‹-Gespräche zu triggern. Nur – damit hat sich diese ›Wandgestaltung‹ auch. Gähnende weiße Wände erinnere ich in meinem letzten Großraumbüro in der Hotellerie. Wir durften nichts an die Wände bringen. Furchtbar! Besonders für mich als Sohn einer Galeristin. Aus erster Hand kann ich dem geschätzten Reinhold Würth bedingungslos beipflichten und bestätigen, dass ein Umfeld mit Kunst Kreativität, Innovation und Vorstellungskraft fördert, das gilt für Büros, Kinderzimmer, Universitätsräume, Klassenzimmer sowie alle anderen Lebensräume, in denen wir Menschen uns aufhalten.


THE PROPERTY Vielen Dank für das Gespräch!